Sonnwendfeier
am 20. Juni 2008 Manuskripttext der Feuerrede

     
     
 
Feuerrede 2008

Meine sehr geehrten Damen und Herren

...

Der Bußprediger vom Jordan, ein leiblicher Vetter Jesu und als sein Vorläufer bezeichnet, genannt Johannes der Täufer, ist - neben der Gottesmutter Maria - der einzige Heilige, dessen Geburtstag die Kirche neben dem sonst üblicherweise gefeierten Todestag begeht.

Aber nicht nur in der Liturgie hat der Verwandte Jesu Spuren hinterlassen.

Der Johannistag wird auch heute noch als ein Fest des Sommerhöhepunktes gefeiert. Die Johannisnacht am 24. Juni gilt als die kürzeste Nacht des Jahres.

Der Scheitelpunkt der „Negativentwicklung“ wird am 25. Dezember erreicht. Und genau in dieser Nacht (Wintersonnenwende) wird der Messias geboren; die Tage werden länger und die Nächte kürzer.

Die in der Bibel grundgelegte Lichtsymbolik spielt dem entsprechend nicht nur zu Weihnachten eine Rolle, sondern auch am Johannistag.

Die Sonnwendfeuer hat es wahrscheinlich schon in vorchristlicher, germanischer Zeit gegeben.

Sie erleuchten die Nacht, wenn Wotan Walhall verließ und segnend über die Erde schritt.

Da dieses Brauchtum auch zum christlichen Festanlass passte, wurde es übernommen.

Der Johannistag wurde zur „Sommerweihnacht“. Für diesen Tag galten strikte Vorschriften:

Unziemliche Trinksitten, Händeleien oder Ähnliches waren verpönt. Die Unverheirateten tanzten, oft bis zur Erschöpfung, um das Feuer. Zum Johannisfeuer gehört der segenbringende Sprung über das Feuer. Er überwindet Unheil, reinigt von Krankheit und wirkt je besser, je mehr über das Feuer springen.

Wenn ein Paar sich bei diesem Sprung nicht losließ, so deuteten dies die Menschen früher als ein gutes Zeichen für eine bald bevorstehende Hochzeit.

Vor dem Erlöschen des Feuers warfen die jungen Frauen einen Blumenstrauß, den sie zum Festkleid trugen, in die verlöschende Glut und sprachen: „Wie dieser Kranz möge all mein Missgeschick verbrennen und in Nichts zerfallen.“

Fackelschwenken und Scheibenschlagen haben sich mancherorts als paralleles Tun zum Sonnwendfeuer erhalten. Die Asche des Johannisfeuers wurde als Segen auf die Felder gebracht.

„Feuerspenden“ (Reisig, alte Besen, Stroh und Äste) galten damals als Ehrensache. Im Spruchgut der Eifel heißt es: „Wer kein Holz zum Feuer gibt, erreicht das ewige Leben nit.“

Um „alles Unglück für das kommende Jahr abzuwaschen“, gehörten mancherorts „Quellgänge“ zum Johannistag. Es musste fließendes Wasser aus Quellen oder Bächen sein, mit dem man die mit Blumen geschmückten Frauen besprengte.

Zum Johannistag gehörten früher Johanniskränze aus siebenerlei oder neunerlei Kräutern und Pflanzen. Die Kränze wurden über Tür und Fenster gehängt, um vor Geistern und Dämonen zu schützen, die in der Johannisnacht spukten.

In Mitteldeutschland warf man den Kranz über das Haus, damit der Segen wirkte. Gekreuzte Besen vor Türen und Toren wehrten Spukgestalten ab; ein Johanniskranz unter dem Kopfkissen brachte Glück in der Liebe, gleichfalls ein Blütenteppich unter dem Esstisch, das so genannte „Johannistreu“.

Die ungeheuere Popularität des Täufers im Mittelalter kann man an der weiten Verbreitung seines Namens in der Form „Johannes“, „Hans“ oder „Jean“ erkennen.

Auch in Fauna und Flora hat der Heilige seinen Namen hinterlassen: z.B. Johannisbeere, Johanniskraut, Johannisbrot und Johanniswürmchen (Glühwürmchen) belegen dies.

Auch als Wetterlostag spielt der Festtag seine Rolle. Bekannt sind z.B. die folgenden Bauernregeln:

Wenn die Johanniswürmer glänzen,
darfst du bereiten die Sensen.

Wenn kalt und nass Johannis war,
verdirbt er meist das ganze Jahr.

[Fackelzug]

Lassen Sie uns nun gemeinsam den Holzstoß entzünden.

Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.

 
     
     
zurück zu "Aus letzter Zeit 2008"